Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS)

Bei der Kostenberechnung und der Beitragserhebung der Wohngebäudeversicherung und insbesondere der erweiterten Elementarschutzdeckung oder kurz der Elementarversicherung ziehen die deutschen Versicherungsgesellschaften das „ZÜRS“ heran. Das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen ist eine geschützte Entwicklung des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft. Bei der Entwicklung dieses sehr komplexen aber gleichzeitig sehr aussagekräftigen Zonierungssystems für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen zog der GDV unter anderem die statistischen Daten zu Überschwemmungen aller in Deutschland verzeichneten Wasserwirtschaftsämter heran. Die Ursprungsversion zur Spezifizierung und zur Klassifizierung des Überschwemmungsrisikos wurde bereits im jahr 2001 erstmals eingesetzt. Aufgrund der zahlreichen und sehr lückenlosen Daten der Wasserwirtschaftsämter konnte der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft und gleichzeitiger Verarbeitung der geographischen Gegebenheiten und Besonderheiten das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen stetig weiterentwickeln und auf Gesamtdeutschland flächendeckend anwenden. Das aus dem Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen abzuleitende Hochwasserrisiko und die Einstufung des Standortes zu versichernden Gebäudes stellt für die Versicherungsgesellschaften bei der Elementarversicherung einen sehr wichtigen Punkt dar.

Kriterien und System der Versicherer

Die Versicherungsgesellschaften können selbst entscheiden, bis zu welcher Einstufung in der Risikoklasse laut dem Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen sie ein Gebäude noch als versicherbar ansehen. Ist eine Immobilie oder ein Wohngebäude in einer zu hohen Risikoklasse und daher sehr gefährdet für einen Elementarschaden durch Hochwasser, Rückstau und Starkregen, kann die Versicherungsgesellschaft den Abschluss einer entsprechenden Wohngebäudeversicherung mit Elementardeckung verweigern. Gleichzeitig bedeute für die Versicherungsnehmer die Anwendung von Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen aber auch eine gerechte und faire Möglichkeit, den Risikozuschlag bei der Wohngebäudeversicherung mit Elementarschadensdeckung anzuwenden. Wer in einem als sehr gefährdet eingestuften Gebiet seine Immobilie versichert, erhält eine Ablehnung oder muss mit einem erheblichen Risikozuschlag rechnen. Gleichzeitig aber müssen Wohngebäudebesitzer in einem als ungefährdet oder nur minimal gefährdetem geographischem Gebiet aufgrund einer guten Einstufung durch ZÜRS einen geringeren Beitrag entrichten. Ein weiterer Faktor bei dieser Kostenberechnung ist die sogenannte Bachzone. Im Bereich von 100 Metern entlang von kleinen Gewässern mit fließendem Wasser ist die sogenannte Bachzone definiert. Die Versicherungsgesellschaften erhalten diese Information im Rahmen der Abfrage über das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen. Dies wiederum zieht dann eine Beitragsanpassung mit sich, da ein fließendes Gewässer das Hochwasser-und Überschwemmungsrisiko steigen lässt.

Beitragsanpassung anhand des Zonierungssystems

Die durch das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen ermittelte Gefährdungsklasse kann einen Abschluss der Elementarversicherung ausschließen. Dies ist aber nur bei der Einstufung in der sehr gefährdeten Klasse 4 in Ausnahmefällen der Fall. Einige Versicherungsgesellschaften verweigern auch Gebäudebesitzern die Aufnahme, wenn die Einstufung laut ZÜRS in der Gefährdungsklasse 3 erfolgt. Generell aber liegen innerhalb den deutschen Landesgrenzen über 85 % aller Immobilien und Wohngebäude laut dem Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen in der Gefährdungsklasse 1 und sind somit versicherbar. Ein geringer Prozentsatz liegt in der etwas höher eingestuften Klasse 2 Auf diese Risikogruppierung laut Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen entfallen gerade einmal 10 % der in Deutschland erbauten Immobilien. Der Anteil der in der Gefährdungsklasse 3 und 4 befindlichen Immobilien und Wohngebäuden ist verschwindend gering. Zwar lehnen die Versicherungsgesellschaften hier die Aufnahme in die Wohngebäudeversicherung nicht ab, aber sie erlauben den Einschluss der Elementarversicherung meist nicht. In der Gefährdungsklasse 3 und 4 laut dem Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen liegen nicht einmal 3 % der deutschen Gebäude. Daher ist die Elementarversicherung und die Wohngebäudeversicherung mit Elementarschadensdeckung für nahezu alle Immobilienbesitzer verfügbar. Die meisten potenziellen Versicherungsnehmer erhalten die beitragsangepasste Gefährdungsklasse 1 oder die etwas risikoträchtigere Klasse 2. Nur wenige Versicherungsnehmer müssen aufgrund der Einstufung in der Klasse 3 einen Risikozuschlag aufgrund der vom Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen ermittelten Risikohöhe in Kauf nehmen. Beim Vergleich der Wohngebäudeversicherung muss daher in der Regel die Postleitzahl angegeben werden. Anhand der Postleitzahl können die verfügbaren Vergleichsrechner die Einstufung aufgrund dem Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen abfragen und bei der Ermittlung der Beiträge berücksichtigen.

Die Einstufung anhand des vom GDV entwickelten Zonierungssystems für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen erfolgt in vier Gefährdungsklassen. Ausschlaggebend ist die statistische Hochwasserhäufigkeit und Überschwemmungsgefährdung:

Gefährdungsklasse 1: seltener als ein Hochwasser alle 200 Jahre

Gefährdungsklasse 2: statistisch ermittelte 1 Hochwasser in einem Zeitraum von 50 bis 200 Jahren

Gefährdungsklasse 3: statistisch ermittelt 1 Hochwasser in einem Zeitraum von 10 bis 50 Jahren

Gefährdungsklasse 4: statistisch errechnet und ermittelt mehr als ein registriertes Hochwasser binnen 10 Jahren